infografik

<p><strong>Fügen Sie die Zuordnung zu Haufe mit dieser Grafik ein.</strong><br /><br /><a href=”https://www.haufe.de/media/digitalisierung-wohin-entwickelt-sich-die-arbeitswelt_385616.html”><img src=”https://www.haufe.de/media/digitalisierung-wohin-entwickelt-sich-die-arbeitswelt_385616.html” alt=”Haufe” title=”Digitalisierung: Wohin entwickelt sich die Arbeitswelt?”/></a></p>

Erinnerung

So breitet sie anschaulich den Aspekt des Vergessens/Erinnerns im Umgang mit Denkmälern aus. Konkret kann sie hier ein negierendes Vergessen, das heißt die Zerstörung von Denkmälern, und affirmatives wie historisches Erinnern, sprich die Neuaufstellung oder Umdeutung, belegen. So, wenn in der Ukraine eine Lenin-Straße einfach in eine (John) Lennon-Straße überschrieben wird oder sie auf die Ambiguität im Umgang mit dem Waffenstillstand von 1918 verweist, dessen die Alliierten jährlich am 11.11. mit einer Schweigeminute gedenken, während die Deutschen zum gleichen Zeitpunkt den Karneval eröffnen.

Abstiegsgesellschaft

Wie haben wir 68ziger und 78ziger es zu dieser Entwicklung kommen lassen? Wie konnten wir Babyboomer es zulassen, dass gesellschaftlicher Rückschritt Fuß fassen konnte? Mit dem Sezierbesteck für ökonomische und soziale Analyse ausgestattet, haben wir an den Verbesserungen unserer eigenen gesellschaftlichen Positionen gearbeitet und dabei unserer eigenen ökonomischen und gesellschaftlichen Analyse nicht getraut. Sonst hätten wir den Sieg dem Kapitalismus nicht kampflos überlassen dürfen. Die Vorherrschaft des Shareholder value ist auch das Ergebnis mangelndem Strebens nach Hegemonie. 

Angst ist kein guter Ratgeber

“Die Angst ist der Kitt der amerikanischen Gesellschaft. Die Furcht vor dem eigenen Niedergang begeistert die Menschen, weil sie alles zusammenhält: wir gegen die. Und wo kräftig mit Angst gedüngt wird, da gedeiht Hass, das weiß man aus der europäischen Geschichte.” SZ vom 11.08.2016

Schlaflosigkeit

Nyx, bei den Griechen die Göttin der Nacht, und Hypnos, ihr Sohn und Gott des Schlafes, waren Persönlichkeiten. Nyx war schön, schattenhaft und beeindruckend – die einzige Göttin, die Zeus fürchtete. Hypnos war sanft und gütig, ein androgynes Mutterkind. Die beiden bildeten ein Superhelden-Duo im Einklang mit den Rhythmen der Natur. Die Nacht gebar den Schlaf und schuf ihrem Sohn jenen Sinnes-Raum, in dem er sich entfalten konnte. Heute sind Mutter und Sohn in Vergessenheit geraten. Nyx ist seit über einem Jahrhundert im Exil, sie ist wie unser Nachthimmel durch Lichtverschmutzung erodiert. Und Hypnos ist nicht mehr persönlich, transzendent und romantisch – er ist medizinisch, banal und pragmatisch geworden. Der Schlaf transformierte von einer sehr persönlichen Erfahrung zu einem physiologischen Prozess; aus Mythos wurde Medizin; aus Romantik Vermarktbarkeit. Unser Verkennen des Sinns von Schlaf und unsere Besessenheit, ihn für die Wachphasen zu managen, werden bei der Bekämpfung von Schlaflosigkeit am meisten übersehen. 

szRubin Naiman in Aeon

Nein heißt nein

aus der SZ vom 22.06.2016

Werte wie Selbstbestimmung und Gleichberechtigung genießen an sich hohe Geltung. Dennoch kommt es immer wieder zu Missverständnissen beim Thema Geschlechtsverkehr. Nun hat sich die Thames Valley Police, die Polizei in der Gegend westlich von London, in einem Aufklärungsvideo mit der Zustimmung zum Sex beschäftigt:

“Du fragst: ‘Willst du eine Tasse Tee?’ Und jemand sagt, ‘Oh mein Gott, ich hätte liebend gerne eine Tasse Tee, danke!’ Dann koche ihm eine Tasse Tee. Wenn du fragst, ob er eine Tasse Tee möchte, und er sich nicht wirklich sicher ist, dann kannst du ihm eine Tasse Tee kochen – oder auch nicht -, aber sei darauf vorbereitet, dass er sie vielleicht nicht trinkt. Wenn er sie nicht trinkt, und das ist wichtig, dann zwinge ihn nicht dazu. Wenn er sagt, ‘Nein, danke!’, dann koche ihm keine Tasse Tee. (. . .) Wenn ein Mensch müde ist und bewusstlos wird, bringe ihm keinen Tee. Bewusstlose Menschen wollen keinen Tee, auch wenn du fragst. (. . .) Wenn er ‘Ja’ zu einem Tee bei dir letzten Samstag sagte, heißt das nicht, dass er jederzeit einen Tee will. Er will nicht, dass du plötzlich vor seiner Tür stehst und ihm Tee bringst, weil er letzte Woche einen Tee wollte. (. . .) Wenn du nicht weißt, warum andere Menschen keinen Tee mögen, dann ist es schwierig zu wissen, warum sie keinen Sex wollen. Aber ob Tee oder Sex, Zustimmung ist alles.”

wolfgang welt ist tot

“Er wollte nichts über die Probleme der Arbeiter erzählen, nichts über die toten Zechen, nichts über den wieder supersauberen Rhein-Herne-Kanal, nichts über die verfilzte SPD. Welt wollte all jene zu Romanfiguren machen, für die sich sonst keine Sau interessierte; und er wollte das Glück beschreiben, das einer empfinden kann, der vom Leben nichts weiter erwartet als dass es ihn in Ruhe trinken und schreiben lässt.” SZ vom 21.06.2016

Erholt !?

“Bei der WM 1998 in Frankreich schlugen deutsche Hools den Gendarm Daniel Nivel halb tot, er hat sich nie mehr vollständig erholt.”  (SZ 18.06.2016)

“Sechs Wochen lag er nach der Attacke im Koma. Als er wieder aufwachte, konnte er nicht mehr riechen, schmecken, sprechen.
Seitdem ist der mittlerweile 61-Jährige auf einem Auge blind, seine rechte Seite bis heute gelähmt. Das Sprechen fällt dem Vater zweier Kinder noch immer schwer. ” (RP-ONLINE 14.06.216)

Politikergetwitter

In seinem Essay “Im Netz der kleinen Brüder – Über die Modernität der Populismen” in der Juni-Ausgabe des Merkur schreibt der Publizist Martin Burckhardt:

“Gewiss behaupten Politiker tapfer, dass alles beim Alten geblieben sei. Untergründig freilich ist unübersehbar, dass der Strukturwandel der Öffentlichkeit neue Kommunikations- und Machttechniken erzwingt – was sich etwa an der Spezies des unentwegt twitternden Volksvertreters beobachten lässt. Dieses Rumoren jedoch lässt auf eine sehr viel grundsätzlichere Verschiebung der Tektonik schließen. Denn im Bottom-up-Machtdispositiv wird nicht nur das Unterste zuoberst gekehrt, sondern die Sprache der Repräsentation selbst problematisch. Fortan nämlich besteht keine Notwendigkeit mehr, die Meinungsvielfalt in Gestalt von Parteien und Stellvertretern auszudrücken. (. . .) Wie in der Natur, wo das Absterben einer Pflanze oft von einem hypertrophen Wachstum begleitet ist, artikuliert sich das Ende der Repräsentation aber eben nicht in einem langen Siechtum, sondern in einer Entfesselung all ihrer Mittel. Die Politik wird Spektakel, und Macht kann nur noch verlangen, wer in der Kunst der Repräsentation die entsprechende Performance hinzulegen weiß.”

Klein-Gärtner

Wer immer Hand anlege an die Kleingärten – der riskiere sein Amt. Das Ganze sei ein “Pulverfass”. Möglicherweise sogar das des Diogenes.

Was wiederum mit dem Wandel der typischen Klientel in Deutschlands Sozial-Biotopen zusammenhängt. Die eben nicht mehr ganz so typisch und klischeehaft ist. Denn im Zuge des Urban-Gardening-Phänomens und einer intellektuellen Stadtgesellschaft, die das Do-it-yourself-Prinzip genauso wie das Modell der Nachhaltigkeit und den neuen Veganismus abseits vom Burn-out lebt, ist aus der Pflicht zum Gemüseanbau eine Art Manufactum-Lust geworden: Es gibt sie noch, die guten Kohlrabiknollen. Aus dem Laubenspießer, der seine Gartenzwerge am Samstag nachlackiert, ist ein Hipster mit Kindern, Kohlrabi und einem Abonnement von Walden (“Wir sind draußen”) geworden.